| Per Floß durch die Schluchten - auf dem Fluss DUNAJEC |
| POLEN / Slowakei. Der Fluss heißt Dunajec und braust in einer entlegenen Gegend Südpolens durch eindrucksvolle Schluchten. Eine Floßfahrt auf seinem Wasser ist ein schaumgebremstes Abenteuer. |
| Es soll gleich am Beginn eingestanden werden: Mit Abenteuer haben die Floßfahrten auf dem Dunajec nichts zu tun. Zwar werden auf der englischsprachigen Ankündigungstafel "Rafting tours" versprochen. Wer sich aber einen Adrenalinkick erhofft, sollte die 40 Zloty (entspricht etwa zehn Euro) sparen und die Gegend auf dem schnellsten Weg wieder verlassen. Statt Action ist hier Gemütlichkeit angesagt, und die plumpen Flöße haben mit den schnittigen Rafting-Booten alpiner Fun-Regionen etwa so viel zu tun wie ein alter Lieferwagen mit einem Porsche. |
| Schwerfällig dümpeln die breiten Kähne an der Einstiegstelle auf dem Wasser. Man könnte sie für etwas überdimensionierte Waschtröge halten. Trotzdem ist das Interesse an den Floßtouren enorm. Schon lange bevor das erste Boot aufbricht, werden die Kassen von Menschentrauben umlagert. Sie alle wollen die 17 Kilometer lange Strecke auf Flößen bewältigen. |
| Dieser Flussdurchbruch in einem abgelegenen Winkel Südpolens, direkt an der Grenze zur Slowakei, hat es wegen seiner landschaftlichen Schönheit schon Generationen von Touristen angetan. Der Dunajec windet sich hier in mehreren großen Schleifen durch das Pieniny-Gebirge. Der nur 27 Kilometer lange und acht Kilometer breite Gebirgszug zählt zu den reizvollsten Erhebungen der Karpaten. Da es am Vortag ein heftiges Gewitter gegeben hat, gleiten die Flöße heute nicht über heitere grünblaue Wellen, sondern über eine undurchsichtige grünbraune Brühe. Angst braucht aber trotzdem niemand zu haben. Das Flüsschen ist etwa so breit wie die Traun im Salzkammergut und hat nur ein geringes Gefälle. An den meisten Stellen ist es nicht tiefer als einen halben Meter. Ein paar besonders furchtsame Touristen haben trotzdem Schwimmwesten verlangt und auch anstandslos bekommen. |
|
|
|
Zwölf Menschen haben es sich in unserem Floß auf drei Bänken
bequem gemacht und harren des Kommenden. Für drei Stunden haben wir uns der
Autorität der Bootsführer überantwortet. Es sind zwei Männer, die das Kommando
führen. Vorne steht der Meister, und am Heck werkt ein Lehrling. Ein paar Stöße
mit langen Holzstangen, und die beiden haben das Floß in die Mitte des Flusses
bugsiert. Weidensträucher und Uferbefestigungen ziehen langsam vorbei. Wie von
Geisterhand angetrieben gleiten wir dahin. Zum Staunen bleibt aber nicht viel Zeit. Denn jetzt ist die Phase des Geschichtenerzählens gekommen. Einer der beiden Bootslenker, der Meister, versorgt uns mit Informationen und Anekdoten. |
| Vielleicht geht es in seinen amüsanten Ausführungen um Folgendes: Das Leben der Goralen war hart, aber auch schön. Sie brachten sich als Holzfäller und Hirten durch. Den Reichtum des Landes, das im Überfluss vorhandene Holz, transportierten sie mit Flößen aus dem Gebirge bis zur Weichsel und von dort an die Ostsee. Im 19. Jahrhundert ging es dann mit der Flößerei langsam zu Ende. Und auch sonst hatte sich einiges in der entlegenen Gebirgswelt geändert. Die nahe gelegene Hohe Tatra wurde von den Bergsteigern für den Alpintourismus entdeckt. Die findigen Goralen aus dem Dunajec-Tal packten die Gelegenheit beim Schopf. Sie boten ihre Flöße den neuen Gästen für Abenteuerfahrten an. Photos aus dieser Zeit zeigen uns diese Vorläufer heutiger Sightseeingtouristen. |
| Vielleicht geht es in seinen amüsanten Ausführungen um Folgendes: Das Leben der Goralen war hart, aber auch schön. Sie brachten sich als Holzfäller und Hirten durch. Den Reichtum des Landes, das im Überfluss vorhandene Holz, transportierten sie mit Flößen aus dem Gebirge bis zur Weichsel und von dort an die Ostsee. Im 19. Jahrhundert ging es dann mit der Flößerei langsam zu Ende. Und auch sonst hatte sich einiges in der entlegenen Gebirgswelt geändert. Die nahe gelegene Hohe Tatra wurde von den Bergsteigern für den Alpintourismus entdeckt. Die findigen Goralen aus dem Dunajec-Tal packten die Gelegenheit beim Schopf. Sie boten ihre Flöße den neuen Gästen für Abenteuerfahrten an. Photos aus dieser Zeit zeigen uns diese Vorläufer heutiger Sightseeingtouristen. |
| Jetzt spüren die Passagiere den frischen Wind und bemerken, dass die Bootsführer in der reißenden Strömung vorsichtig sein müssen. Sie müssen Acht geben, ihr Gefährt ohne Kentern durch die kleinen Strudel zu bringen. Doch die zwei erfahrenen Männer steuern das Boot mit ihren Stangen sicher durch den Wirbel. Dabei zeigt sich neuerlich, wie gut diese simplen Gefährte auf dem Wasser liegen. Sie werden von den Wellen nicht in die Höhe geworfen wie die modernen Schlauchboote. Schnurgerade und ruhig durchpflügen sie die Gischt, die Fahrgäste bleiben von jedem Wellenritt verschont. |
| Nur noch ein paar Kilometer, dann ist die dreistündige Tour in Kroscienko zu Ende. Zuvor sind uns noch zahlreiche slowakische Flöße begegnet. Sie befahren die Strecke, an denen der Fluss die Grenze zwischen den beiden Staaten bildet. Aussehen und Aufmachung von Flößen und Lenkern gleichen denen, die unter polnischer "Flagge" unterwegs sind, in jeder Hinsicht. |
|
|
| Die Rückfahrt ist bequem; die Gäste werden von einem Bus durch das Pieniny-Gebirge zurück zur Anlegestelle in Sromowce Katy gebracht. Ein kleines Stück des Wegs, kann auch mit einer Pferdekutsche zurückgelegt werden. Und mit einem Lastwagen kommen auch die Flöße zurück zur Anlegestelle. Früher mussten die Goralen die Kähne flussaufwärts ziehen - eine schwere, mühsame Arbeit, die einen ganzen Tag in Anspruch nahm. Heute dauert das bloß eine knappe Stunde. |
| An der Abfahrtstelle ist der Parkplatz auch am Nachmittag gesteckt voll mit Autos. Die Floßfahrten sind in ein Verkaufsschlager. Nicht nur polnische Touristen, auch Holländer, Deutsche, Belgier finden die Fahrt faszinierend. |
| Information: Die Floßfahrten auf dem Dunajec finden noch bis Ende Oktober statt. Auf polnischer Seite beginnen die Touren in Sromovce Katy; vom slowakischen Ufer beginnen die Fahrten ein Stück flussabwärts in Cerneny Klastor. Von Österreich erreicht man die Region mit dem Auto am schnellsten über die Slowakei via Bratislava, Zilina und Poprad. |